Außerbörslicher Handel – OTC-Handel erklärt

Der Handel mit Wertpapieren findet zu einem Großteil an den Börsen statt. Es ist aber auch möglich, ohne die Zwischenstation Börse Wertpapiere und andere Basiswerte zu kaufen und zu verkaufen. Dafür wird der OTC-Handel genutzt. Wer sich nicht mit den wichtigsten Forex-Begriffen auskennt, erfährt in diesem Artikel alles Wichtige über diese Art des Handels. Wie funktioniert der OTC-Handel und was sind die Unterschiede zur Börse? Welche Vorteile bietet der OTC-Handel? Gibt es auch Nachteile?

Straßenschild von der Wall Street

Hier geht es zur Börse. Doch wo bitte geht es zum OTC-Handel?

Definition OTC-Handel

Die verschiedensten Finanzprodukte können sowohl an der Börse als auch außerbörslich gehandelt werden. Für den außerbörslichen Handel hat sich der Ausdruck „OTC-Handel“ durchgesetzt. OTC steht für Over the Counter und bedeutet übersetzt „über den Tresen“.

Damit wird ein direkter Handel auf den Kapitalmärkten zwischen Käufer und Verkäufer bezeichnet. Beim „Direkthandel“ und „Freiverkehrshandel“ findet der Kauf und Verkauf von Wertpapieren ebenfalls als OTC-Handel statt. Der OTC-Handel ist damit im weiteren Sinne eine Weiterentwicklung des Telefonhandels.

Unterschiede zur Börse

Die Börsen werden von der zuständigen Finanz- bzw. Börsenaufsichtsbehörde überwacht und geregelt. Nicht nur die Leitbörsen (Link Ratgeber 1 (Leitbörse)), sondern auch kleinere Börsenplätze werden kontrolliert. Beispielsweise sind in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und in den USA die United States Securities and Exchange Commission (SEC) zuständig. Im Vergleich mit dem Börsenhandel gibt es einige Unterschiede beim OTC-Handel:

  • Unterliegt keiner Börsenaufsicht
  • Weniger Beschränkungen bei den Finanzprodukten
  • Es fallen geringere Gebühren an
  • Größeres Risiko als beim Börsenhandel
  • Längere Handelszeiten

Der OTC-Handel findet hingegen, wie bereits erwähnt, nicht an der Börse statt und unterliegt somit auch keiner Aufsichtsbehörde. Es gelten zwar die gesetzlichen Bestimmungen zum Wertpapierhandel, jedoch gibt es keine staatliche Aufsicht beim OTC-Handel. Darunter leidet natürlich die Transparenz des Marktes und der außerbörsliche Handel birgt damit ein höheres Risiko als der Börsenhandel.

Die fehlende Aufsicht hat aber auch den Vorteil, dass mehr Finanzprodukte angeboten werden können. Wertpapiere, die nicht standardisiert und für den Handel an der Börse freigegeben wurden, sind dafür unter Umständen außerbörslich handelbar. Als Beispiel sind hier exotische Optionsscheine zu nennen. Zusätzlich sind aber auch alle an der Börse verfügbaren Werte im OTC-Handel vorhanden. In den meisten Fällen ist die Liquidität an der Börse jedoch höher.

Dafür sind die Handelszeiten im OTC-Handel ausgedehnter. Privatanleger können außerbörslich Wertpapiere in der Regel zwischen 8 und 22 Uhr kaufen und verkaufen, während die offiziellen Börsenzeiten in Deutschland von 9 bis 17.30 Uhr gehen. Wenn Sie mehr über die Handelszeiten erfahren wollen, schauen Sie in unser Forex-Wiki, in dem wir die wichtigsten Trading-Begriffe erklären.

Beim Thema Kosten kann der OTC-Handel ebenfalls punkten. Da der Handel direkt zwischen Verkäufer und Käufer stattfindet, fallen keine Gebühren für den Börsenplatz oder Fremdspesen wie Makler-Courtagen an. Privatanleger zahlen aber natürlich Gebühren für den Broker, der den Handel zwischen den Marktteilnehmern in die Wege leitet. Diese Gebühren sind in der Regel aber geringer als die Kosten beim Börsenhandel.

Infografik zum OTC-Handel

Der OTC-Handel unterscheidet sich nicht nur im Ablauf, sondern auch in weiteren Punkten vom klassischen Börsenhandel. Bildquelle: forex.de

Ablauf des OTC-Handels

Als Privatanleger erhalten Sie Zugriff zu dem OTC-Handel über einen Online-Broker. Dieser agiert hier als Schnittstelle zwischen Käufer und Verkäufer bzw. Emittent. Der Ablauf des Handels stellt sich wie folgt dar:

  • Der Käufer stellt eine Kursanfrage beim Online-Broker.
  • Ist er mit dem Kurs einverstanden, erstellt er eine Order beim Online-Broker.
  • Der Orderauftrag wird an einen Marktteilnehmer weitergeleitet.
  • Wenn der Verkäufer bzw. Emittent die Order akzeptiert hat, wird sie ausgeführt.
  • Dieser Vorgang dauert nur wenige Sekunden bis Minuten.

Als erstes ist also der Käufer interessiert an einem Finanzprodukt. Dabei ist es egal, ob er eine Long- oder eine Short-Position eingehen möchte. Über das Internet wird dafür der Kurs für das bestimmte Finanzprodukt beim Online-Broker abgerufen. Dafür bringt der Online-Broker einen unverbindlichen Preis in Erfahrung, den ein anderer Marktteilnehmer für dieses Finanzprodukt haben möchte. Dieser Marktteilnehmer kann entweder Emittent von Wertpapieren sein oder ein gewöhnlicher Händler, womöglich auch Privatanleger.

Entscheidet sich der Käufer dazu, das Angebot anzunehmen, wird dies dem Verkäufer mitgeteilt, der wiederum die Möglichkeit hat, abzulehnen. Wenn sich der Kurs in der Zwischenzeit zu Ungunsten des Verkäufers verändert hat, lehnt der Verkäufer natürlich ab. Auf den schnelllebigen Finanzmärkten kann dies in wenigen Sekunden der Fall sein. Akzeptiert der Verkäufer hingegen, wird die Order ausgeführt.

Die Voraussetzung für die Teilnahme am OTC-Handel ist ein Online-Broker, der diese Art auch unterstützt. Nicht alle, aber viele der Broker bieten diesen Service an. Einige Broker bieten auch außerbörslichen Handel, aber ohne direkten Zugang zu anderen Marktteilnehmern an. Hier sollten Sie im Einzelfall klären, ob der Online-Broker den Direkthandel mit anderen Marktteilnehmern ermöglicht.

Vor- und Nachteile des OTC-Handels für Privatanleger

Für Privatanleger dürfte der Umstand, dass Gebühren wegfallen, einer der wichtigsten Punkte sein. Vor allem für Trader, die viele Kauf- und Verkaufsaufträge erteilen, wie es zum Beispiel bei einem Daytrader der Fall ist, kann der OTC-Handel sehr sinnvoll sein. Der Handel mit Aktien, Optionen, Devisen und anderen Finanzprodukten kann somit schnell und kostengünstig abgewickelt werden.

Darüber hinaus ist es auch möglich, veränderte Finanzprodukte, die nicht den Standards an der Börse entsprechen, zu handeln. Hier sollte man als Laie aber besonders aufpassen, da es keine Vergleichsmöglichkeiten zu den Handelspreisen an der Börse gibt!

Bei den Finanzprodukten, die sowohl an der Börse als auch OTC gehandelt werden, können Sie jedoch gut vergleichen, ob die angebotenen Kurse marktgerecht sind. Überprüfen Sie, auf welchem Wege Sie günstiger an das angestrebte Wertpapier kommen und handeln Sie entsprechend!

Außerhalb der offiziellen Börsenzeiten erweist sich dies als schwer durchführbar. In solchen Fällen sollten Sie nur mit Finanzprodukten handeln, mit denen Sie sich sehr gut auskennen. Insgesamt betrachtet bietet der OTC-Handel aber einige Vorteile, weshalb man das leicht erhöhte Risiko im Vergleich zur Börse in Kauf nehmen kann.