Bullisch und bärisch: erkennen und handeln

Die Begriffe Bulle und Bär kommen häufig zur Sprache, wenn es um die Börse geht. In Berichterstattungen ist immer wieder von bullischen oder bärischen Märkten die Rede. Um beim Trading erfolgreich zu sein, muss man sich natürlich mit den Gegebenheiten auf dem Markt auskennen. Dazu gehört auch das richtige (Handels-)Verhalten auf einem Bullen- und einem Bärenmarkt.

Zu diesem Zweck erklärt dieser Ratgeber, was der Unterschied zwischen dem Bullen und dem Bären an der Börse ist, und wie Sie Ihr Geld gewinnbringend anlegen können, indem Sie die Phasen zu Ihrem Vorteil nutzen. Bullisch und bärisch gehören zu den wichtigsten Forex-Begriffen. Allerdings gibt es noch weitere Begriffe, die man unbedingt kennen sollte, bevor man in den Währungshandel einsteigt.

Bulle und Bär in Chartverlauf

Bild: Bullisch und bärisch zählen zu den wichtigsten Begriffen im Forex-Trading. Bildquelle: Popova_Irina – 442511326

Definition Bulle & Bär

Der Bulle und der Bär stehen metaphorisch für steigende bzw. fallende Kurse. Da der Bulle mit seinen Hörnern von unten nach oben angreift, ist er das Symbol für steigende Kurse. In diesem Zusammenhang spricht man von einem bullischen Markt, auch Hausse genannt. Ebenfalls werden Anleger, die mit steigenden Kursen rechnen, als Bullen bezeichnet.

Konträr verhält es sich mit dem Bären. Wer fallende Kurse erwartet, wird als Bär tituliert. Der Bär greift mit seinen Tatzen von oben nach unten an und steht deshalb für fallende Kurse. Ein bärischer Markt wird auch als Baisse bezeichnet. Die Begriffe Bulle und Bär werden dabei häufig in Bezug auf den gesamten Markt angewendet, können aber auch Branchen, Regionen oder Bereiche wie einzelne Rohstoffe beschreiben.

Es wird also von einem Bullen– oder Bärenmarkt gesprochen, wenn die Kurse über einen längeren Zeitraum langfristig steigen bzw. sinken. Allerdings ist es in solchen Phasen normal, dass die Kursentwicklung immer wieder kleineren Gegenbewegungen unterliegt, den sogenannten Korrekturen. Diese Phasen sind aber deutlich schwächer als der eigentliche Trend des Marktes.

Einen besonderen Ausdruck gibt es darüber hinaus noch für die verstärkte Phase eines Bullenmarktes, also wenn die Kurse stärker ansteigen als sonst. In solch einem Fall spricht man von einer Rally. Eine längere Phase stark steigender Kurse wird auch Boom, eine längere Phase stark sinkender Kurse auch Crash genannt.

Für den Devisenhandel gilt derweil noch ein besonderer Umstand, da Währungen immer als Paare gehandelt werden. Ist hier beispielsweise ein bärischer Trend für das Währungspaar EUR/USD zu erkennen, bedeutet dies, dass der Euro im Vergleich zum US-Dollar an Wert verliert. Damit geht offenkundig einher, dass der US-Dollar steigt, so dass hier ein bullischer Trend vorliegt. Anders als bei anderen Finanzprodukten ist es bei Devisen demnach so, dass Trends in beide Richtungen bestehen können, je nachdem, welche Währung als Basiswährung und welche als Kurswährung vorliegt.

Die Symbole Bulle und Bär stehen übrigens als Statuen in der Nähe wichtiger Börsen und sind bekannte Tourismusziele. In Frankfurt stehen sich Bulle und Bär auf dem Vorplatz gegenüber und im Finanzdistrikt von Manhattan steht der weltberühmte „Charging Bull“ von Arturo di Modica. Auch in Amsterdam und in Shanghai wurden Bullen des gleichen Künstlers aufgestellt.

Erkennen der Phasen / Technische Analyse

Ob es sich um einen bullischen oder bärischen Trend handelt, lässt sich mithilfe der technischen Analyse herausfinden. Das ist für die Marktteilnehmer sehr wichtig, um die richtigen Handelsentscheidungen treffen zu können. Auch für Anfänger ist es möglich, diese Trends in den Währungskursen zu entdecken und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Dabei kann man aus beiden Phasen seine Vorteile ziehen. An der Börse ist es nicht nur möglich, mit steigenden Kursen Gewinne zu erzielen, sondern auch von einer bärischen Phase zu profitieren. Das gilt auch für den Devisenhandel.

Infografik mit Beispielen von Bullisch und Bärisch

Bild: So sehen Candlesticks im bullischen und bärischen Trend aus. Bildquelle: forex.de

In den Chartverläufen kann man sich unterschiedliche Zeitintervalle anzeigen lassen. Will man einen Trend erkennen, betrachtet man eine eher langfristige Zeitspanne. Je nachdem, welche Trading-Variante man nutzt, sind hier unterschiedliche Zeitspannen von Vorteil. Wenn man sein Geld auf lange Sicht, also über Tage oder Wochen, anlegen möchte, untersucht man einen entsprechend längeren Zeitraum, als wenn man zu kürzeren Trading-Intervallen greift. In solch einem Fall genügen auch die letzten paar Stunden.

Wenn ein Kurs nun langfristig ansteigt, handelt es sich um einen bullischen Kurs, so dass Sie long gehen sollten. Bei einem bärischen Kurs können Sie entsprechend short gehen. Die auftretenden Korrekturen können einen Trader derweil zweifeln lassen, ob der Trend stabil genug ist. Einen bestehenden, langfristigen Trend zu unterbrechen, ist jedoch sehr schwierig. Es kann aber natürlich vorkommen, dass sich die Korrekturen verstärken und zu einer Trendumkehr führen. Darüber hinaus kann man ebenfalls in die entgegengesetzte Richtung des Trends handeln und die Korrekturen nutzen.

Analysemittel

Um die Kursverläufe richtig deuten zu können, müssen Sie sich, sofern noch nicht geschehen, mit der Technischen Analyse auseinandersetzen. Dank der Hilfsmittel der Technischen Analyse lassen sich Trends leichter erkennen und Prognosen über die zukünftige Entwicklung anstellen. Zu den bekannten Hilfsmitteln gehören zum Beispiel:

  • Die Gleitenden Durschnitte (Moving Averages)
  • Der Relativ-Strength-Index (RSI)
  • Die Bollinger Bänder

Von diesen Hilfsmitteln, auch technische Indikatoren genannt, gibt es hunderte. Bevor Sie sie einsetzen, sollten Sie sich unbedingt mit der Funktionsweise der einzelnen Indikatoren, die Sie nutzen wollen, vertraut machen.

Je nachdem, welchen Broker oder welche Handelssoftware Sie nutzen, haben Sie eine unterschiedliche Auswahl an diesen Hilfsmitteln. Blind vertrauen sollten Sie den technischen Indikatoren indes nicht. Es ist immer wichtig, seine Handelsentscheidungen auf mehreren Stützen zu treffen.

Neben den Indikatoren lassen sich wiederkehrende Muster in den Kursverläufen erkennen. Diese werden als Chartmuster oder Chartformationen bezeichnet und treten in Form von Trendbestätigungsformationen und Trendwendeformationen auf:

Trendbestätigungsformationen

Trendwendeformationen

Flaggen

Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS)

Wimpel

Rounding Top/Bottom

Absteigende, aufsteigende, symmetrische Dreiecke

Double Top/Bottom

 

V-Formationen

Tabelle: Trendsymbole in der Übersicht

Dies sind nur einige Beispiele von Chartformationen, die bei der Analyse helfen. Wie Sie sehen, ist eine eingehende Beschäftigung mit dem Thema der Technischen Analyse nötig, um die Trends korrekt erkennen zu können. Erst daraufhin kann man lukrative Handelsentscheidungen treffen.

Testen Sie am besten in einem Demokonto, ob Sie die Charts korrekt deuten und daraus gewinnbringende Trades ableiten können. Das Wissen über bullische und bärische Trends ist der erste Schritt, Fleiß und Übung sind die nächsten auf dem Weg zum erfolgreichen Trader.