Ratgeber: der Devisenmarkt

Um auf dem Devisenmarkt erfolgreich handeln zu können, muss man sich mit den besonderen Gegebenheiten in diesem Bereich auskennen. Der Tausch fremder Währungen wird aufgrund internationaler Handelsbeziehungen bereits seit Jahrtausenden betrieben. Natürlich hat sich der Handel mit Devisen sehr stark verändert und ist heute ein eigenständiger Finanzmarkt mit weitaus mehr Teilnehmern, die nicht nur als Händler agieren und ihre Waren in andere Länder verkaufen wollen. Der Devisenmarkt ist sehr komplex, der folgende Ratgeber hilft Ihnen jedoch weiter, den Ablauf und die Strukturen besser zu verstehen. Nur das, was man versteht, sollte man auch traden.

Geschäftsmann mit Stift deutet auf digitale Projektion eines Graphen mit Währungszeichen.

Bild: Der Handel mit Devisen erweist sich für viele Spekulanten als lukrativ. Um optimale Entscheidungen zu treffen, muss man den Markt und seine Besonderheiten kennen.

Einführung und Definition

Der Markt für den Handel mit Währungen wird Devisenmarkt genannt. Der englische Begriff dafür ist seit längerem auch hierzulande gebräuchlich und lautet foreign exchange market, kurz Forex-Markt oder FX-Markt. All diese Begriffe beschreiben den Währungsmarkt, also den Markt, auf dem die Nachfrage nach und das Angebot vn Währungen aufeinandertreffen und der Tausch vollzogen wird. Devisen steht in diesem Zusammenhang allgemein für Fremdwährungen.

Infografik über den Devisenmarkt in Zahlen

Infografik: Der Devisenmarkt in Zahlen. Infografikquelle: forex.de

Wie entstehen die Wechselkurse?

Die Kurse von Währungen werden nicht von einer Regierung festgelegt, solange sie frei handelbar und nicht an eine andere Währung gekoppelt sind. Sie basieren allein auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage. Da die großen Banken untereinander handeln und dafür Kurse festlegen, können aber leicht unterschiedliche Kurse auf dem Devisenmarkt für gleiche Währungspaare entstehen.

Wann wird auf dem Devisenmarkt gehandelt?

Der Handel ist wochentags so gut wie immer möglich. Da die meisten Online-Broker den Zugriff auf die wichtigsten internationalen Börsenplätze anbieten, können Trader auch nachts spekulieren. Der Handel mit Devisen beginnt in der Regel ab der Nacht von Sonntag (22 Uhr) zu Montag und findet bis zur Nacht von Freitag (23 Uhr) statt.

An den unterschiedlichen Feiertagen haben einige Börsen geschlossen, so dass der Handel eingeschränkt oder überhaupt nicht möglich ist. Auch wenn der Währungshandel außerbörslich stattfindet, orientieren sich die Marktteilnehmer an den Börsenhandelszeiten. Näheres zu den Handelszeiten finden Sie im Forex-Wiki.

Die Marktteilnehmer

Der Devisenhandel findet in der Regel außerbörslich statt, d.h. er ist nicht zentral organisiert, sondern findet direkt zwischen den Marktteilnehmern oder über einen Broker statt. Dieser Handel ohne zentralen Marktplatz wird auch als OTC-Handel („Over-the-Counter“) bezeichnet. Das Gros des Währungshandels wird dabei im Interbankenhandel, also dem Handel zwischen Kreditinstituten, abgewickelt. Es gibt jedoch mehrere Teilnehmer auf dem Devisenmarkt:

  • Großbanken: agieren auch als Market Maker
  • Broker: Bindeglied zwischen Kunden und Market Maker
  • Händler von Banken: erzielen mit kurzfristigen Spekulationen Gewinne durch Eigenhandel, auch als proprietary trading oder prop trading bekannt
  • Internationale Unternehmen: sichern sich durch Devisenhandel gegen Währungsschwankungen beim internationalen Handel ab
  • Fondsgesellschaften: versuchen Gewinne zu erzielen (Hedge-Fonds) oder sichern ausländische Investitionen gegen Währungsschwankungen ab
  • Zentralbanken: beteiligen sich aus finanzpolitischen Gründen am Devisenhandel
  • Privatpersonen: durch Urlaubsreisen etc. nehmen Personen am Devisenhandel teil, aber immer mehr Privatanleger nutzen Währungen als Spekulationsobjekt

Anders als auf dem Aktienmarkt gibt es auf dem Devisenmarkt nicht nur private und institutionelle Investoren, sondern noch andere Teilnehmer, die aus unterschiedlichen Gründen auf diesem Finanzmarkt tätig sind. Aufgrund der Anzahl und der Größe sowie der finanziellen „Macht“ der Teilnehmer ist es nicht verwunderlich, dass der Forex-Markt der größte Finanzmarkt werden konnte.

Der gesamte Tagesumsatz am Devisenmarkt beläuft sich auf über 5 Billionen US-Dollar, wodurch dieser den größten Finanzmarkt der Welt darstellt. Mitentscheidend für den Anstieg der Umsätze (siehe Statistik 1) ist die Entstehung und Verbreitung des Internets und den damit einhergehenden Technologien, beispielsweise elektronische Handelsplattformen. Der Handel wurde dadurch deutlich vereinfacht, und es ist nun auch für gewöhnliche Privatanleger möglich, mit wenigen Mausklicks über Forex-Broker Währungen zu kaufen und zu verkaufen.

Statistik zur Entwicklung des durchschnittlichen Umsatzes pro Handelstag am weltweiten Devisenmarkt von 1995 bis 2016 in Milliarden US-Dollar

Statistik 1: Die Umsätze haben sich auch dank des Internets in den letzten 20 Jahren verfünffacht.

Die größten „Player“ auf dem Forex-Markt sind offenkundig Regierungen und die Zentralbanken, die grundsätzlich im Interesse der entsprechenden Regierung auch am Devisenhandel teilnehmen. Aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten sind Zentralbanken in der Lage, einen erkennbaren Einfluss auf den Devisenmarkt auszuüben. Grundsätzlich nutzen sie den Währungshandel jedoch nur, um ihre Währungsreserven anzupassen und abzusichern.

Als die nächstgrößeren Teilnehmer sind Banken und andere Kreditinstitute zu nennen. Wie bereits erwähnt, ist der Interbankenhandel für den Großteil des Devisenhandels verantwortlich. Der Anteil privater Spekulanten ist hier im Vergleich sehr gering. Auf dem Interbankenmarkt handeln große Banken über ein elektronisches Handelssystem miteinander und setzen die Währungspreise fest, zu denen sie bereit sind, zu kaufen und zu verkaufen. Sie agieren also als Market Maker und versuchen gleichzeitig, Gewinne durch den Devisenhandel zu erzielen. Da der Forex-Markt ein dezentraler Handelsplatz ist, kommt es vor, dass die Banken leicht unterschiedliche Kurse für die gleichen Währungen anbieten.

Kunden dieser Banken sind häufig Unternehmen, die internationale Beziehungen hegen. Immer, wenn Käufe von ausländischen Kunden eingehen oder Aufträge an ausländische Lieferanten erteilt werden, müssen diese Unternehmen Währungsschwankungen in Kauf nehmen. Nun ist es aber üblich, dass zwischen Erteilung eines Auftrags und der Bezahlung eine gewisse Zeit vergeht – manchmal sogar ein Jahr oder länger.

In dieser Zeit können die Währungskurse sich deutlich verändern, so dass für die Unternehmen bei hohen Umsätzen große Wechselkursrisiken entstehen. Um diese Risiken zu minimieren oder ganz auszuschalten, wird auf dem Devisenmarkt gehandelt. Normalerweise gehen sie mit Fondsgesellschaften einen Vertrag ein, der ihnen die aktuellen Kurse zum bestimmten Termin garantiert.

Eine besondere Gruppe der Marktteilnehmer, zu denen Sie wahrscheinlich auch gehören wollen, bilden die Spekulanten. Ihr einziges Ziel auf dem Forex-Markt ist das Generieren von Gewinnen, indem sie die Schwankungen der Währungskurse zu ihrem Vorteil nutzen. Zu den Spekulanten zählen sowohl private Investoren als auch institutionelle. Hedge-Fonds sind die Spekulanten mit dem größten Kapital auf dem Devisenmarkt.

Währungspaare lesen

Für Einsteiger kann die Darstellung der Währungspaare auf den ersten Blick verwirrend wirken. Wenn auf dem Forex-Markt eine Währung angegeben ist, wird ihr immer eine Gegenwährung gegenübergestellt. Die erstgenannte Währung aus einem Paar wird Basiswährung genannt. Die Gegenwährung wird auch als quotierte Währung bezeichnet. Dies ist die Darstellung des Währungspaares bestehend aus Euro und US-Dollar:

EUR/USD = 1,15

Die Basiswährung hat immer den Wert einer Einheit. Betrachtet man nun ein Währungspaar, erkennt man hieraus den Wert einer Einheit der Basiswährung dargestellt durch den Wert der quotierten Währung. In unserem Beispiel:

  • Der Kurs für EUR/USD liegt bei 1,15.
  • Der Euro ist in diesem Fall die Basiswährung, der US-Dollar ist die quotierte Währung.
  • Eine Einheit des Euro ist demnach so viel Wert wie 1,15 US-Dollar, also 1 € = 1,15 US-$.
  • Ist der US-Dollar hingegen die Basiswährung, liegt der USD/EUR-Kurs bei 0,87 (1 geteilt durch 1,15).

Bei der Darstellung der Kurse werden hauptsächlich die Abkürzungen verwendet. Die wichtigsten Währungen und ihre Kurzformen sollte man kennen:

  • EUR: Euro
  • USD: US-Dollar
  • JPY: Japanischer Yen
  • GBP: Britische Pfund
  • CHF: Schweizer Franken
  • CAD: Kanadischer Dollar
  • AUD: Australischer Dollar
  • NZD: Neuseeland-Dollar

Zudem nutzen Trader für die wichtigsten Währungspaare Spitznamen:

  • GBP/USD: Cable
  • USD/CHF: Swissy
  • USD/CAD: Loonie
  • AUD/USD: Aussie
  • NZD/USD: Kiwi

Auf dem Forex-Markt werden die meisten Währungen gegen den US-Dollar gehandelt, weshalb der US-Dollar häufig die Basiswährung darstellt. Dabei ist eine Verschiebung von Basiswährung zu Gegenwährung ohne Weiteres möglich, der Kurs berechnet sich dabei wie im obigen Beispiel invers. Da es möglich ist, beim Handel auf dem Forex-Markt long oder short zu gehen, ist es egal, welche Währung bei einem bestimmten Währungspaar als Basiswährung gilt.

Wollen Sie beispielsweise Euros kaufen und in US-Dollar bezahlen, eröffnen Sie eine long-Position für EUR/USD. Alternativ könnten Sie auch eine short-Position für USD/EUR eröffnen, wodurch Sie US-Dollar verkaufen und Euros erhalten. Nach dem Schließen der Position werden die Aktionen wieder umgekehrt und beide Möglichkeiten kommen auf das Gleiche hinaus.

Die Besonderheiten des Devisenmarktes

Geschäftsmann zeigt auf digitale Projektionen eines Graphen und mehrerer Währungssymbole

Bild: Der Devisenmarkt hat einige entscheidende Merkmale, die ihn für private Spekulanten und berufliche Trader sehr attraktiv machen.

Im Allgemeinen sind die Schwankungen auf dem Forex-Markt sehr gering. Die meisten Währungen weisen tägliche Veränderungen im Bereich unter einem Prozent auf. Die Volatilität ist also im Vergleich zu anderen Finanzmärkten eher gering. Die meisten Spekulanten nutzen daher Hebeleffekte, um den Gesamtwert der Veränderungen zu erhöhen und dadurch höhere Gewinne zu erzielen. Gängig ist ebenfalls der englische Begriff „leverage“ oder „Leverage-Effekt“ für diese Hebelwirkung.

Aufgrund der Vielzahl an Marktteilnehmern und des großen Handelsvolumens auf dem Devisenmarkt herrscht eine sehr hohe Liquidität, d.h. eine Währung kann schnell gekauft oder verkauft werden, weil grundsätzlich immer ein Handelspartner vorhanden ist. Außerdem hat ein einzelner Trade nur sehr geringe Auswirkungen auf den Kurs.

Der Währungshandel weist ein hohes Handelsvolumen auf, so dass der Ask-Preis, den ein Verkäufer für eine Währung verlangt, und der Bid-Preis, den ein Käufer bereit ist zu zahlen, sehr nah beieinanderliegen. Je geringer der Spread zwischen Ask- und Bid-Preis ist, desto liquider ist der Markt.

Die hohe Marktliquidität ermöglicht es den Teilnehmern, mit sehr großen Hebeleffekten zu arbeiten, die bis zu 250:1 betragen. Der Trader kann in so einem Fall das 250-fache Handelsvolumen nutzen, während er nur einen Teil davon als sogenannte Margin beim Händler hinterlegen muss.

Die unterschiedlichen Handelsarten auf dem Devisenmarkt

Der Handel mit Devisen kann als Kassageschäft oder als Termingeschäft ausgeführt werden. Der Kassamarkt, auch als „spot market“ bezeichnet, ist dabei der größere Markt, weil er die Basiswerte für den Terminmarkt bildet. In der Vergangenheit waren die Devisentermingeschäfte populärer, weil sie auch für private Investoren zugänglicher waren. Mit Aufkommen des elektronischen Handels hat der Kassamarkt dem Terminmarkt jedoch den Rang abgelaufen. Mittlerweile ist grundsätzlich der Kassamarkt gemeint, wenn man sich auf den Forex-Markt bezieht.

Kassamarkt

Der Kassamarkt ist der Marktplatz, an dem Währungen zu den aktuellen Preisen gekauft und verkauft werden. Der Preis ist dabei abhängig von Angebot und Nachfrage. Er unterliegt zahlreichen Einflussgrößen wie der Wirtschaftsleistung, Zinsraten oder der politischen Stabilität. Zwischen dem Geschäftsabschluss und der Ausführung dürfen maximal zwei Bankarbeitstage liegen. Zu dem Zeitpunkt liefert der Verkäufer die entsprechenden Devisen auf das vereinbarte Konto und der Käufer bezahlt in der vereinbarten Währung. Aufgrund des elektronischen Handels geht dies in der Regel sehr schnell. Geschäfte auf dem Kassamarkt werden auch Spotgeschäfte genannt.

Terminmarkt

Auf dem Terminmarkt hingegen werden keine tatsächlichen Währungen gehandelt. Stattdessen werden Verträge gehandelt, die Ansprüche auf eine Währung zu einem bestimmten Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt garantieren. Für einen Zeitraum von mindestens drei Tagen bis zu mehr als einem Jahr können Termingeschäfte abgeschlossen werden.

Unabhängig von der Kursentwicklung müssen die Vertragspartner zum Fälligkeitstermin ihre Verpflichtungen erfüllen. Hauptsächlich große, internationale Unternehmen nutzen diese Termingeschäfte in Form von Forwards oder Futures, um sich gegen zukünftige Währungsschwankungen abzusichern.

Forwards sind dabei Verträge, deren Inhalte und Bedingungen frei zwischen den Vertragspartnern ausgehandelt werden. Die Vertragsinhalte von Futures hingegen werden von der Börse, an denen sie gehandelt werden, festgesetzt und standardisiert. Beide Vertragsformen sind natürlich bindend, auch wenn der Handel mit den Verträgen vor Ende der Laufzeit möglich ist.

Die Chancen und Risiken des Forex-Marktes

Die Faktoren Handelsvolumen, Volatilität und die weltweiten Strukturen sind Gründe für die Erfolgsgeschichte des Devisenmarktes in den letzten Jahren. Aufgrund der hohen Liquidität, die auf diesem Finanzmarkt herrscht, ist es einzelnen Investoren möglich, sehr große Trades zu platzieren, ohne die Währungskurse maßgeblich zu beeinflussen. Infolgedessen wird eine Fairness auf dem Markt geboten, weil die Kurse durch Angebot und Nachfrage entstehen, aber nicht mithilfe einzelner großer Positionen manipuliert werden können.

Zusätzlich beeinflusst die hohe Liquidität auf dem Forex-Markt die Aussagekraft der technischen Analyse. Eine Vielzahl an Spekulanten vertraut daher der Chartanalyse beim Handel mit Währungen und agiert dabei sehr präzise.

Während der Markt per se bereits Vorteile offenbart, kann der Handel ebenfalls mit Pluspunkten aufwarten. Auch Privatanlegern ist es dank des Hebeleffektes möglich, große Positionen von beispielsweise 50.000 Euro zu halten, obwohl man nur 1.000 Euro Handelskapital als Margin beim Broker hinterlegt hat.

Der Hebeleffekt ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Durch die Nutzung großer Hebel kann man seine Gewinne erhöhen, gleichzeitig steigt aber auch die mögliche Höhe der Verluste, wenn die Kurse gegen einen laufen. Trotz der Risiken, die damit einhergehen, ist jedoch gerade der Hebeleffekt der Grund, weshalb so viele Spekulanten am Devisenhandel teilnehmen.

Vergleich der Risiken auf dem Devisen- und dem Aktienmarkt

Im Vergleich mit Aktien kann das Risiko auf dem Devisenmarkt aufgrund der großen Hebel höher sein. Große Gewinne können in wenigen Minuten in herbe Verluste umschlagen und einen großen Teil des Trading-Kapitals aufzehren. Aufgrund der großen Anzahl an Marktteilnehmern reagiert der Markt sehr schnell auf neue Informationen. Anfänger müssen daher lernen, die Konzentration beim Traden aufrechtzuerhalten und schnell zu reagieren.

Betrachtet man die prozentuale Veränderung einer Währung und einer Aktie, fällt auf, dass die Aktien stärker schwanken. Auf dem Forex-Markt hingegen „erzeugt“ der Hebeleffekt die nötige Volatilität. Nutzt man beispielsweise 1.000 Euro Investitionskapital für den Kauf einer Währung mit einem Hebel von 100:1, eröffnet man eine Position mit einem Volumen von 100.000 Euro.

Entwickelt sich nun die Währung mit einer Veränderung von 1 Prozent gegen diese Position, sinkt das Investitionskapital auf 99.000 Euro, was einem Verlust von 1.000 Euro entspricht – der Verlust der gesamten Investition. Dagegen wird beim Aktienhandel in der Regel nicht mit einem Hebel gearbeitet. Investiert man 1.000 Euro in Aktien und diese verlieren 1 Prozent ihres Wertes, summiert sich der Verlust auf 10 Euro. Als Anfänger auf dem Forex-Markt muss man sich dieser Risiken bewusst sein, bevor man sich ans Traden macht.

Lassen sich die Risiken minimieren?

Durch ein gezieltes „money management“ kann man das Risiko senken und Verluste minimieren. Dazu zählt beispielsweise, dass man immer nur einen geringen Teil des verfügbaren Handelskapitals für einen Trade verwendet. Häufig nutzen Trader einen Anteil von zwei bis fünf Prozent ihres Kapitals für eine Position.

Das Setzen von sogenannten Stop-Loss-Orders wird von fast allen Tradern durchgeführt, um sich vor großen Verlusten aufgrund von gegenteiligen Kursbewegungen zu schützen. Die Stop-Loss-Order ist ein Auftrag, durch den die Position automatisch geschlossen wird, wenn der Kurs eine bestimmte Kursgrenze erreicht, die entgegengesetzt zur gehandelten Richtung liegt.

Rechnet man beispielsweise mit steigenden Kursen, eröffnet man eine Long-Position und setzt ein Stop-Loss unterhalb des Einstiegskurses, um das Verlustrisiko zu begrenzen. Konträr verhält es sich bei einer Short-Position. Hier liegt der Stop-Loss entsprechend oberhalb des Einstiegskurses. Das ist vor allem für private Spekulanten von Vorteil, da es so nicht unbedingt nötig ist, die Kursentwicklung unentwegt im Auge zu behalten.

Wichtige Daten beeinflussen den Devisenmarkt

Erstaunter Mann liest eine Zeitung; Schlagwörter um ihn herum

Bild: Zeitung lesen ist für einen Trader wichtig, denn Neuigkeiten über ein Land, vor allem politischer und wirtschaftlicher Natur, können großen Einfluss auf die Entwicklung von Währungskursen haben.

Wirtschaftsdaten haben nicht nur auf Aktien einen großen Einfluss, sondern ebenfalls auf die Kursbewegungen von Währungen. In gleichem Maße wie die Neuigkeiten aus den Finanznachrichten, die Veröffentlichung von Bilanzen oder andere aktuelle Ereignisse den Aktienkurs eines Unternehmens beeinflussen, können neue Informationen über ein Land große Auswirkungen auf die Entwicklung des Währungskurses haben. Solche Daten bzw. Informationen werden auch Indikatoren genannt. Zu den wichtigsten Indikatoren, die den Devisenmarkt beeinflussen, zählen:

  • Der Leitzins
  • Arbeitsmarktdaten
  • Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)
  • Einzelhandelsumsätze
  • Konsumgüter
  • Makroökonomische und politische Ereignisse
  • Handel und Kapitalfluss

Der Leitzins

Die Leitzinsen (engl.: interest rates) werden im Rahmen der Geldpolitik von den zuständigen Zentralbanken festgelegt. Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der entsprechenden Zentralbank Geld leihen können. Die zuständigen Zentralbanken für die wichtigsten Währungen sind:

Land

Zentralbank

USA

Federal Reserve

Großbritannien

Bank of England

Japan

Bank of Japan

EU

Europäische Zentralbank

Schweiz

Schweizerische Nationalbank

Australien

Reserve Bank of Australia

Kanada

Bank of Canada

Tabelle: Zuständige Zentralbanken für die Länder mit den wichtigsten Währungen.

Der Leitzins hat sowohl einen Einfluss auf die Zinsen für Kredite und Sparanlagen als auch auf den Forex-Markt. Senkt eine Zentralbank den Leitzins, kommt mehr Geld der dazugehörigen Währung in den Umlauf, weil sich die Banken mehr Geld leihen und dieses über Kredite an Unternehmen und Privatkunden weitergeben. Da mehr Geld vorhanden ist, steigt auch die Inflationsrate. Eine Währung verliert also grundsätzlich an Wert, wenn der Leitzins gesenkt wird. Natürlich ist dies immer relativ zur Gegenwährung zu sehen, da Währungen immer als Paare gehandelt werden.

Arbeitsmarktdaten

Dank der Arbeitsmarktdaten eines Landes erhält man einen Überblick über die Anzahl der arbeitenden Menschen und der Arbeitslosenquote der jeweiligen Bevölkerung. In der Regel ist ein Anstieg der Beschäftigtenzahlen und ein Sinken der Arbeitslosenquote ein Zeichen für eine aufstrebende Wirtschaft.

Das hat nun unterschiedliche Folgen. Auf der einen Seite wird die Währung durch positive Arbeitsmarktdaten aufgewertet, weil die Wirtschaft gesund ist und wächst. Auf der anderen Seite sorgt eine hohe Beschäftigung für einen Anstieg der Inflationsrate, wodurch die Währung wieder an Wert verlieren kann. Der Einfluss der Wirtschaftsdaten auf die Währungskurse hängt also auch von den Umständen des Landes ab.

Übrigens sind die Arbeitsmarktdaten aus den USA ungemein wichtig für den Forex-Handel. Da die meisten Währungen gegen den Dollar gehandelt werden, haben die sogenannten „non-farm payrolls“ auf die wichtigsten Währungspaare einen spürbaren Einfluss. Die Arbeitsmarkdaten werden monatlich am ersten Freitag vom Bureau of Labor Statistics veröffentlicht.

Das Bruttoinlandsprodukt

Der Gesamtwert aller produzierten Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Landes hergestellt oder erbracht wurden, wird als Bruttoinlandsprodukt (BIP) bezeichnet. In der Regel bezieht er sich auf den Zeitraum eines Jahres.

Das BIP gilt als beste Messgröße, um die gesamtwirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft zu beschreiben. Steigt das BIP an, ist das ein Zeichen für eine wachsende und gesunde Wirtschaft. Unter anderem zieht dies ausländische Investoren an, was den Wert der Währung steigen lässt, weil eine höhere Nachfrage besteht.

Einzelhandelsumsätze

An den Einzelhandelsumsätzen lässt sich die Stärke einer Wirtschaft und die Konsumausgaben ablesen. Hohe Einzelhandelsumsätze deuten auf eine gesunde Wirtschaft hin und geben den Marktteilnehmern dadurch Kaufsignale. Gehen die Umsätze hingegen zurück, schwächt dies auch die Währung.

Makroökonomische und politische Ereignisse

Zu den größten Veränderungen der Währungskurse führen makroökonomische und politische Ereignisse wie z.B.:

  • Kriege
  • Wahlen
  • Änderung der Geldpolitik
  • Finanzkrisen

Politische Unruhen können erhebliche Schwankungen des Währungskurses zur Folge haben, Kriege können die Wirtschaft stark belasten. Es ist wichtig, immer über derlei Ereignisse im Bilde zu sein, da sie große Veränderungen bei den Währungen verursachen können.

Handelsbilanz und Kapitalfluss

Der internationale Handel führt zu großen Kapitalbewegungen, welche einen großen Effekt auf den Wert von Währungen haben können. Ein wichtiger Indikator ist hier die Handelsbilanz, in der die Exporte eines Landes den Importen gegenübergestellt werden.

Ein Handelsbilanzdefizit liegt vor, wenn mehr importiert als exportiert wird. In so einem Fall sinkt der Wert der Währung, weil die Inlandswährung verkauft werden muss, um die Importe in der Fremdwährung zu bezahlen. Deutschland als einer der größten Exporteure der Welt ist mit seinem großen Handelsbilanzüberschuss daher mitverantwortlich für einen starken Euro.

Der Kapitalfluss beschreibt die Menge an Kapital, die durch Investitionen und Exporte in das Land gekommen ist, und die Menge, die durch Investitionen in anderen Ländern und durch Importe abgeflossen ist. Dabei reagieren verschieden Währungen unterschiedlich stark auf die beiden Indikatoren.

Währungen von Ländern, die auf einen Handelsbilanzüberschuss angewiesen sind, wie Australien, reagieren stärker auf Veränderungen der Handelsgewinne. Währungen von Ländern, in denen der Finanzsektor von großer Bedeutung ist, erfahren durch Veränderungen der Auslandsinvestitionen stärkere Kursveränderungen.

Fundamentale und technische Analyse

Das Nutzen derartiger Informationen gehört in den Bereich der Fundamentalanalyse. Während es beim Aktienhandel in der Fundamentalanalyse darum geht, den wahren Wert eines Unternehmens zu ermitteln und auf dieser Grundlage Handelsentscheidungen zu treffen, verhält es sich beim Forex-Handel ähnlich. Hier ist das Land quasi das Unternehmen und man versucht durch Wirtschaftsdaten, den Wert der entsprechenden Währung zu analysieren.

Die Neuigkeiten über ein Land in Form von aktuellen Nachrichten, Wirtschaftsdaten und politischen Ereignissen verschaffen dem Trader einen Überblick über die Stärke einer Währung. Wie oben beschrieben gibt es zahlreiche Faktoren, die die Kursveränderungen beeinflussen. Auf Grundlage dieser Analyse gibt es praktisch zahlreiche Forex-Strategien, die Trader nutzen können und auch sollten, um gute Handelsgelegenheiten zu erkennen.

Chartverlauf mit technischen Indikatoren und einem Handelsbildschirm im Hintergrund

Bild: Ohne die technische Analyse zu verstehen und Strategien zu nutzen, die auf dieser Methode basieren, ist es beinahe unmöglich, auf dem Devisenmarkt erfolgreich zu sein.

Bei der technischen Analyse geht man anders an die Bewertung der Währungen heran. Ein wesentlicher Grundsatz dieser Analysemethode besagt, dass zurückliegende Preisänderungen zukünftige Änderungen prognostizieren. Weil der Devisenmarkt praktisch 24 Stunden geöffnet hat und über ein enormes Handelsvolumen verfügt, besteht eine riesige Anzahl an Daten, die für eine technische Analyse genutzt werden können.

Das hat zur Folge, dass die statistische Aussagekraft der so getroffenen Vorhersagen steigt. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass der Devisenmarkt ideal geeignet ist, um technische Hilfsmittel, z.B. Trend- und Chartmuster sowie technische Indikatoren, zur Bestimmung von Handelsgelegenheiten zu nutzen.

Auf dem Devisenmarkt sind viele große Marktteilnehmer, beispielsweise in Form von Banken oder Hedge-Fonds, vertreten, die über ausgereifte Computersysteme verfügen, die Unstimmigkeiten in den Währungspaaren erkennen. Diese Unstimmigkeiten bestehen deshalb meist nur wenige Sekunden. Bei derartig vielen Marktteilnehmern und dem großen, täglichen Umsatzvolumen ist es wichtiger, den Trend und den Kapitalfluss im Blick zu haben, als eine unterbewertete Währung zu erkennen.

Unzählige Trader vertrauen dabei der technischen Analyse, weil die Methode davon ausgeht, dass bereits alle Änderungen im Kurs eingepreist sind. Das bedeutet, dass alle wirtschaftlichen Daten, politischen und sozialen Ereignisse sowie psychologische Faktoren schon im Währungskurs berücksichtigt sind.

Auch die technische Analyse hat in den letzten Jahren eine Vielzahl an Forex-Strategien und unterstützende technische Indikatoren geschaffen. Um auf dem Devisenmarkt erfolgreich zu sein, muss man einige davon beherrschen.

Voraussetzungen für die Teilnahme am Devisenmarkt

Dank des elektronischen Handels und dem Auftreten von Forex-Brokern als Vermittler ist der Devisenmarkt für private Investoren deutlich interessanter geworden. Seit einigen Jahren können viele Privatpersonen aufgrund der angebotenen Hebelwirkung am Währungshandel teilnehmen, ohne über sehr große Mengen an Kapital zu verfügen. Dank des „Leverage-Effektes“ kann man auch mit vergleichsweise kleinem Kapital an den geringen Kursschwankungen von Währungskursen profitieren.

Wie bereits deutlich wurde, benötigt man als Privatperson einen Broker, der die Handelsaufträge entgegennimmt und ausführt. Um ein Konto bei einem Forex-Broker zu eröffnen, muss man volljährig und vollständig geschäftsfähig sein. Nachdem man die Anmeldung abgeschlossen und Kapital auf sein Konto eingezahlt hat, kann man bereits über die Handelsplattform des Brokers mit dem Forex-Handel beginnen.

Jeder Broker bietet einen anderen Umfang an Leistungen an. Aus den Angeboten ergeben sich unterschiedliche Vor- und Nachteile, so dass Sie sich auch bei der Wahl des Forex-Brokers Zeit nehmen, um den individuell für Sie passenden Broker zu finden. Wichtig ist vor allem die Höhe der Gebühren, die ein Broker verlangt.

Gebühren und Provision

Anders als beim Aktienhandel muss man beim Forex-Handel nicht für jeden Trade eine Provision an den Broker zahlen. Dennoch müssen die Broker für die Bereitstellung ihre Dienstleistung natürlich auch Geld einnehmen. Grundsätzlich geschieht dies über den sogenannten Spread.

Der Spread ist der Unterschied zwischen dem Bid- und dem Ask-Price, also den Preisen, zu denen Händler bereit sind, die Währung zu verkaufen und zu kaufen. Wenn Sie einen Forex-Account eröffnen wollen, sollten Sie wissen, dass jeder Broker für verschiedene Währungspaare den Spread selbst festlegt. Auch wenn der Unterschied nur wenige Pips beträgt, kann dies in der Summe einen erkennbaren Einfluss auf das Trading-Kapital haben.

Wenn Sie nicht wissen, was ein Pip ist, klicken Sie hier. Neben den Kosten für den eigentlichen Handel sollten Sie noch weitere Kostenstellen wie z.B. Auszahlungsgebühren o.Ä. vergleichen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Faktoren, die einen Broker ausmachen:

  • Kundenservice:

Wenn es mal zu Problemen kommt, ist ein hilfreicher Kundenservice Gold bzw. Geld wert. Ist der Service rund um die Uhr erreichbar? In welcher Sprache und auf welchen Wegen (Telefon, Chat, E-Mail) wird kommuniziert?

  • Handelsplattform:

Für viele Trader ist die verwendete Handelsplattform sehr wichtig. Zahlreiche Broker bieten ihre Dienste über den Web-Browser an oder ermöglichen die Einbindung in eine Handelssoftware wie dem bekannten MetaTrader.

  • Reputation:

Ist der Ruf eines Anbieters gut oder gibt es bereits Beschwerden? Auch der Firmensitz kann hier ein guter Anhaltspunkt sein, damit man im Zweifelsfall weiß, unter welcher Gesetzgebung der Anbieter steht.

Damit sind wir auch schon am Ende unserer Einführung in den Devisenmarkt. Wenn Sie tiefer in die Themen eintauchen wollen, schauen Sie sich unsere weiterführenden Ratgeber an. Wichtig ist es ebenfalls, sich mit den grundlegenden Strategien des Forex-Handels auseinanderzusetzen. Wenn Sie bereits in das Trading einsteigen wollen, sollten Sie die ersten Schritte zunächst mit einem Demokonto üben.