Was sind Termingeschäfte?

Termingeschäfte sind weit verbreitet. Es gibt sie in verschiedenen Formen an der Börse, aber auch im außerbörslichen Handel wird mit Termingeschäften gearbeitet. Jeder, der schon einmal mit Derivaten gehandelt hat, ist ein Termingeschäft eingegangen. Doch was genau ist ein Termingeschäft? Welche Möglichkeiten bieten einem die Termingeschäfte und worin liegt der Unterschied zum Kassageschäft? Unser Ratgeber klärt auf.

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Termingeschäfte werden auch als Zeitgeschäfte oder im Englischen als forward oder futures bezeichnet.

Der Ursprung von Termingeschäften

Die ersten Termingeschäfte liegen bereits Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende zurück und haben ihren Ursprung im Rohstoff- und Lebensmittelhandel. Da es damals noch keine Börsen gab, fanden die Termingeschäfte offenkundig zunächst nur außerbörslich statt. Dafür haben sich Käufer und Verkäufer im Vorfeld auf einen Preis für eine Lieferung geeinigt und die Leistungen zu einem späteren Zeitpunkt erbracht.

Der Käufer kann sich dadurch einen festen Preis für eine spätere Warenlieferung sichern und der Verkäufer hat die Sicherheit, dass seine Waren verkauft werden. Dieses Prozedere fand vor allem im Import-Export-Geschäft Anwendung, da hier die Lieferwege und Lagerkosten einen erheblichen Einfluss auf die Gewinne der Händler hatten. Auch heutzutage findet natürlich immer noch Terminhandel mit Rohstoffen und Lebensmitteln statt. Das Feld der Termingeschäfte hat sich aber deutlich verändert.

Definition Termingeschäfte

Allgemein betrachtet sind Termingeschäfte alle Geschäfte, bei denen die Bedingungen, die beim Abschluss des Vertrages festgelegt wurden, erst zu einem späteren Termin erfüllt werden müssen. Die Lieferung der Waren und die Gegenleistung, also in der Regel die Bezahlung, finden an einem späteren Zeitpunkt statt als der Vertragsabschluss.

Dabei wird die Menge der Waren und der Kaufpreis jedoch bereits zum Vertragsabschluss festgelegt. Termingeschäfte können an der Börse gehandelt werden, finden aber natürlich auch heute noch im OTC-Handel statt. Zu den Termingeschäften an der Börse zählen verschiedene Finanzinstrumente, beispielsweise Futures und Optionen.

Dabei unterscheidet man weiterhin bedingte und unbedingte Termingeschäfte.

  • Unbedingte Termingeschäfte:
    Als unbedingte Termingeschäfte werden Kontrakte bezeichnet, die beide Vertragsparteien zur Erfüllung ihrer Leistung zu einem bestimmten Termin verpflichten. Der Käufer muss also zum vereinbarten Zeitpunkt zahlen und der Verkäufer ist verpflichtet zu liefern. Dies ist zum Beispiel bei Futures oder Swaps gegeben.
  • Bedingte Termingeschäfte:
    Im Gegensatz zu den unbedingten Termingeschäften hat der Käufer bei einem bedingten Termingeschäft die Wahl, ob er das Geschäft tatsächlich durchführen will. Nur der Verkäufer ist verpflichtet, seine Leistung zu erbringen, wenn der Käufer das Termingeschäft durchführen will. Dafür erhält der Verkäufer jedoch in jedem Fall eine Prämie. Zu den bedingten Termingeschäften zählen die Optionen.

 

Überblick zum Erfolgsmodell Termingeschäfte

Termingeschäfte sind vom Prinzip her leicht verständlich. Die Spekulation mit den einzelnen Finanzinstrumenten hingegen ist nicht ganz so einfach. Infografikquelle: forex.de

Beispiel für ein Termingeschäft

Der Grund für das Eingehen von Termingeschäften liegt bei Unternehmen in der Absicherung gegen Kursschwankungen. Um dies näher zu erläutern, betrachten wir ein Beispiel mit einem Devisentermingeschäft. Die Ausgangslage beschreibt sich wie folgt:

  • Ein Unternehmen aus Europa verkauft Industriemaschinen in den USA.
  • Ein Auftrag mit einem Volumen von 1 Million US-Dollar geht ein.
  • Der aktuelle USD/EUR-Kurs liegt bei 0,84 Euro. Dies ergibt ein Auftragsvolumen in Höhe von 840.000 Euro.
  • Der Liefertermin ist in 6 Monaten, auch dann wird erst die Zahlung geleistet.

Das verkaufende Unternehmen kann natürlich nicht voraussehen, wie sich der Wechselkurs in einem halben Jahr darstellt, muss aber trotzdem Einnahmen und Ausgaben kalkulieren. Eventuell fällt der US-Dollar und die 1 Million US-Dollar sind in 6 Monaten nur noch 800.000 Euro wert. Um sich gegen diese möglichen Wechselkursschwankungen abzusichern, geht das Unternehmen ein Devisentermingeschäft ein.

Das Unternehmen eröffnet ein Termingeschäft für den Verkauf von 1 Mio. US-Dollar mit einer Fälligkeit in sechs Monaten und dem aktuellen Wechselkurs. Fällt jetzt der US-Dollar gegenüber dem Euro in den Folgemonaten, kümmert dies das Unternehmen nicht, da es sich den Wechselkurs im Termingeschäft gesichert hat.

Fällt der USD/EUR-Kurs beispielsweise auf 0,78 Euro, erhält das Unternehmen zwar immer noch 1 Million US-Dollar, die dann aber nur noch 780.000 Euro wert sind. Das wäre ein Verlust von 60.000 Euro und somit ein herber Einschnitt. Auf der anderen Seite könnte sich der US-Dollar natürlich auch positiv entwickeln.

Steigt der US-Dollar im Wert, kann das Unternehmen nicht davon profitieren. Deshalb werden in solchen Fällen auch gerne Optionen verwendet, die es ermöglichen, das Geschäft bei einer profitablen Entwicklung des Wechselkurses verfallen zu lassen. In diesem Fall muss an den Verkäufer der Option allerdings eine Optionshöhe gezahlt werden. Lässt man die Option dann verfallen, ist zwar die Optionsprämie verloren. Diese ist grundsätzlich jedoch geringer als der Verlust, der durch eine größere Wechselkursschwankung entsteht und man sich nicht absichert. Darüber hinaus kann man bei einer günstigen Entwicklung der Wechselkurse Einnahmen verzeichnen, die die Optionsprämie übersteigen.

Kritik an Warentermingeschäften mit Lebensmitteln

Wie das obige Beispiel zeigt, sind auch mit Termingeschäften Spekulationen möglich. Versierte Börsianer nutzen Termingeschäfte verschiedenster Art, um Gewinne zu erzielen. Die gängigste Art stellt dabei der Kauf und Verkauf von Optionen dar. Die Spekulation mit Lebensmitteln ist dabei ebenso möglich.

Dafür nutzen Spekulanten Warenterminbörsen wie das Chicago Board of Trade (CBOT), die größte Agrarbörse der Welt. An diesen Börsen wird der eingangs erwähnte Handel mit Lebensmitteln gegen Preisschwankungen abgesichert. Bereits vor der Ernte werden der Preis, die Menge und der Liefertermin von beispielsweise Mais, Reis, Getreide oder Kaffee festgelegt.

Der Verkäufer, in diesem Fall meist Landwirt, kann sich so einen Verkaufspreis sichern und besser planen. Die Käufer, häufig Nahrungsmittelproduzenten, die die Lebensmittel weiterverarbeiten, sichern sich ihrerseits garantierte Preise für die Waren.

Jedoch sinkt der Anteil an Marktteilnehmern, die den Terminmarkt zur Absicherung gegen Preisschwankungen nutzen, um ihre Produktion aufrechtzuerhalten. Immer mehr Spekulanten beteiligen sich am Handel mit den Lebensmitteln, um daraus Gewinne zu erzielen. Dafür gehen sie Terminkontrakte ein und versuchen diese mit Gewinn weiterzuverkaufen.

Dadurch kommt es natürlich zu stärkeren Schwankungen der Lebensmittelpreise, die vor allem ärmeren Regionen, zum Beispiel Entwicklungsländern, Probleme bereiten können. Wirtschaftsexperten sind sich jedoch nicht einig, ob die Spekulationen Lebensmittel tatsächlich verteuern. Auch verschiedene Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Fakt ist jedoch, dass der Anteil an Spekulanten auch in diesem Bereich immer größer wird und dadurch Angebot und Nachfrage verschoben werden.