Wodurch wird der Devisenkurs beeinflusst?

Der Forex wird im besonders großen Maße durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Von ihnen hängt der Devisenkurs maßgeblich ab. Dies zeigt sich besonders drastisch, wenn zum Beispiel Fondsgesellschaften, Banken oder ganze Länder auf einen Schlag ausreichend große Trades durchführen. Dann kann der Kurs ganz plötzlich sprunghaft ansteigen oder genau so abrupt abfallen.

Verschiedene Währungen und deren aktuelle Kursentwicklungen auf Leuchttafel

Devisenkurse sind für alle Trader auf dem Forex-Markt von großer Bedeutung. Doch was beeinflusst die Kurse?

Diese Entwicklungen lassen sich an einem sogenannten Chart ablesen. Er stellt die Kursverläufe grafisch in einem Liniendiagramm dar. Broker benötigen solche Charts dringend für ihre Arbeit. An ihnen können sie die Devisenkurse ablesen und sie zur Grundlage ihrer Zukunftsprognose machen. In der Chartanalyse versuchen die Finanzexperten Trends abzulesen.

Neben den Mechanismen des Marktes sind die Wechselkurse jedoch auch eng an Ereignisse und politische Entscheidungen ihrer Ursprungsländer geknüpft:

  • Politische Entscheidungen oder Wahlen
    Derzeit lässt sich der Einfluss von Wahlen sehr gut am US-Dollar ablesen. Seit der Wahl Donald Trumps im November hat der Dollar gegenüber dem Euro fast kontinuierlich an Wert eingebüßt. Daneben musste Mexiko seit Trumps Wahl zum Präsidenten Hunderte Millionen Dollar auf den Markt werfen, um den durch die protektionistischen Töne angeheizten Kursverfall des Pesos entgegenzuwirken. Dank großer Währungsreserven war dies aus Sicht von Mexiko glücklicherweise möglich.
  • Ankündigungen
    Der derzeitige Höhenflug des Euro ist nicht etwa damit zu begründen, dass ein Wechsel in der Zinspolitik der EZB stattgefunden hat. Nein, es liegt unter anderem nur an der Erwartung, dass in der nächsten Zinsrunde Abstand vom Nullzins genommen werden soll.

    Außerdem hatte Mario Draghi ein Ende des Wirtschaftsförderungsprogramms und somit der Geldflut angekündigt. Zudem haben sich die Wogen in der EU geglättet und die Wirtschaft in Südeuropa beginnt, sich langsam zu erholen. Das schafft auch wieder Vertrauen bei den Investoren.

    Trotzdem müssten die Vorzeichen eigentlich andersherum stehen. Die FED hatte nämlich bereits im Dezember 2015 eine Zinserhöhung vorgenommen und während die USA bis 2020 unabhängig von Energieimporten sein wollen, bezieht Europa sein Gas weiterhin vornehmlich aus Russland.

  • Veröffentlichungen
    In Folge des Brexit-Referendums hat das Britische Pfund gegenüber dem Euro kräftig an Wert eingebüßt. Eine im Vergleich bedeutungslose Bekanntgabe der aktuellen Inflationsrate hatte aber ebenfalls unmittelbare Auswirkungen auf den Kurs des Britischen Pfund. Dies zeigt, wie fast nebensächliche Veröffentlichungen Einfluss auf Devisenkurse nehmen können.
  • Internationale Krisen
    Anders als erwartet blieben dagegen die Folgen des Atomstreits mit Nordkorea. Während der Außenhandel und ausländische Investitionen stark zurückgingen, zeigte sich der Südkoreanische Wong relativ unbeeindruckt.
  • Ereignisse in der Wirtschaft
    Wenn sich zum Beispiel an der Spitze von großen Automobilherstellern, Technologie- oder Energiekonzernen ein Wechsel vollzieht, kann sich dieses bei entsprechender Größe des Unternehmens ebenfalls auf den Devisenkurs auswirken. Aber auch die Veröffentlichung von Jahreszahlen wichtiger Unternehmen kann einen großen Einfluss haben. Die Kursveränderung lässt sich hierbei zuerst an den Leitindizes der Aktien ablesen.
  • Naturkatastrophen
    Naturkatastrophen und Umweltereignisse können sich auch maßgeblich auf den Devisenmarkt auswirken. Als der Hurrikan Irma auf Florida zusteuerte, reagierte der Dollarkurs sofort. Anleger befürchteten hohe Verluste durch den Sturm, derzeit stehen 40 Mrd. US-Dollar Kosten für die Versicherer im Raum. Doch als der Sturm an Kraft verlor, gewann der Dollar wieder an Stärke.
  • Konsumklima- und Gewerbeindex
    Beide Wirtschaftsindikatoren ermöglichen eine Prognose für die nähere wirtschaftliche Zukunft eines Landes. Diese ist wiederum entscheidend für die Stärke seiner Währung.
  • Rohstoff- / Erdölpreise
    Eine herausragende Rolle für den Devisenmarkt spielen zudem die Rohstoffpreise allgemein und insbesondere die Preise für Erdöl und Erdgas. Russland wurde durch die Sanktionen nach der Annexion der Krim hart getroffen, für den Absturz des Rubels ins Bodenlose waren jedoch hauptsächlich die niedrigen Rohstoffpreise verantwortlich.

    Das zeigt sich eindrucksvoll daran, dass Russland es fertiggebracht hat, sich am Markt drei Milliarden Euro zu beschaffen, und das eine Woche nachdem die Sanktionen verlängert worden sind. Die Abhängigkeit Russlands von den Rohstoffpreisen ist offenbar weitaus größer als die von guten Beziehungen zum Westen. Aber auch die Volkswirtschaften von Kanada und Australien sind sehr von den Rohstoffpreisen abhängig.

  • Kapitalbewegungen
    Bei Kapitalströmen ist der Anteil an zugrundeliegenden realwirtschaftlichen Geschäften auf bis 10% zurückgegangen. Der Löwenanteil entfällt auf Spekulationen. Folglich sind die Börsen ebenfalls Preistreiber. Hier gilt allerdings, dass ein schwacher Aktienmarkt zu steigenden Kursen führt, da Investoren in festverzinsliche Alternativen flüchten. Somit lohnt sich auch im Hinblick auf den Devisenhandel ein Blick auf die wichtigsten Aktienmärkte.
  • Kaufkraftparität
    Die Theorie der Kaufkraftparität besagt, dass sich Wechselkurse auf Dauer den Inflationsraten anpassen würden und Waren und Dienstleistungen zum selben Preis erworben werden können. Wenn ein und dasselbe Fahrrad- Modell in den USA 2000 US-Dollar kostet und in Frankreich dagegen 1600 Euro, dann müsste sich der Wechselkurs von EUR/USD der Theorie nach auf Dauer von 1,25 einstellen, falls er nicht bei diesem Wert liegt. Ist dies nicht der Fall, herrscht keine Kaufkraftparität. Eine gängige Methode für eine vereinfachte Ermittlung des Werts ist der Big-Mac-Index, welcher die Preise des Burgers in verschiedenen Staaten der Erde untereinander vergleicht.
  • Währungspolitik
    Auch die Währungspolitik einzelner Länder kann zu schwer vorherzusehenden Kursbewegungen führen. So haben in letzter Zeit neben Mexiko auch Russland und China große Mengen an US-Wertpapieren auf den Markt werfen müssen, um ihre Währungen zu stärken. Es lässt sich vielleicht vorhersehen, dass diese Schritte erforderlich sein würden, der genaue Zeitpunkt hierfür ist jedoch schwer abzuschätzen.
Infografik zu den Beeinflussungsfaktoren Devisenhandel

Der weltweite Devisenhandel wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Infografikquelle: eigene Darstellung

 

Fazit 

Als Fazit ließe sich Karl Marx zitieren: „Das Kapital ist ein scheues Reh.“ Die Liste ließe sich noch sehr lang fortführen. Die kleinste Erschütterung kann die Märkte in Aufruhr versetzen und gewaltige Kapitalströme in Gang setzen. Manchmal erwartet man diese und dann bleiben sie aus.

Der Forex-Markt ist sehr komplex und ganz sicher nichts für Anfänger. Auf der einen Seite winken schnelle und hohe Gewinne, auf der anderen Seite kann sich das Blatt schnell wenden und alles ist verloren. Es empfiehlt sich also, sich im Voraus eingehend mit der Materie auseinanderzusetzen, bevor man sich am Devisenhandel auf dem Devisenmarkt beteiligt.